Fastenzeit – Fast nur Zeit für mich

Martin Heidegger schrieb einmal "Verzicht nimmt nicht. Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.“

So möchte auch ich wieder zum Einfachen zurückkehren und mir die Dinge zurückholen, die ich bereits vor Jahren hatte. In diesem Beitrag möchte ich Dich an meinen Gedanken teilhaben lassen und Dich inspirieren, Dir deine eigenen Gedanken zu diesem Thema zu machen. Wie solls auch anders sein? :)

 

Irgendwie dachte ich, als mir die Idee zu diesem Beitrag kam, dass ich mich besser über die Fastenzeit – die dieses Jahr übrigens vom 14.02.2018 – 29.03.2018 andauert – informieren sollte, um nicht unchristlich oder wenig gebildet zu wirken. Als ich mir dann ein paar Texte dazu im Netz einverleibt habe, war ich – um ehrlich zu sein – auch nicht schlauer als vorher. Na gut, vielleicht ein bisschen.

 

Ich habe beispielsweise erfahren, dass immer mehr Menschen fasten, ja es geradezu Trend geworden zu sein scheint – und dies nicht nur aus religiösen Gründen.

An erster Stelle stehen laut diverser Artikel Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch, Fernsehen, Rauchen, Computer & Handy und das Auto. Schon komisch, dass nur noch die Wenigsten sich vorstellen können, auf Essen zu verzichten, bzw. sich damit auseinandersetzen, dass auch ein positiver Aspekt für die eigene Gesundheit dahinter stehen könnte. Die Askese ist zwar gesundheitlich ebenfalls umstritten, jedoch kann zumindest der Verzicht auf einige Nahrungsmittel schon hilfreich sein, um aus einer gewissen Abhängigkeit heraus zu gelangen und sich mit gesunder Ernährung zu befassen.

 

"Im besten Falle öffnen sich dann - durch das Weglassen von etwas - Räume für anderes: für eine intensivere Beschäftigung mit dem eigenen Leben und Glauben, beispielsweise", wie es auf der Website des Bistums Osnabrück heißt.

 

 So habe ich mich dieses Jahr für

 Handyfasten entschieden.

 

Ich habe mich dazu entschlossen, die Tage in der Fastenzeit auf mein Smartphone zu verzichten. Das wird natürlich ungewohnt, aber ich werde es überleben, denke ich.

 

Für den Fall, dass doch ein wichtiger Anruf oder eine SMS reinkommt, habe ich ein altes Handy heraus gekramt, in das ich meine SIM-Karte geben werde und somit auch nicht in Versuchung komme, irgendwelche Apps zu öffnen. Dieses Handy wird allerdings nicht jeden Tag angeschaltet sein und auch nur in äußersten Notfällen von mir benutzt. Beim Fasten wird ja auch nicht 46 Tage lang komplett auf Essen verzichtet, sondern wohl 40, wie ich es verstanden habe, da die Sonntage davon ausgenommen sind.

 

Den kompletten Verzicht möchte ich dennoch bei meinem Smartphone vornehmen und das Fasten wird sich bei mir mehr als streng auf das Handy beziehen.

 

Zu Beginn dachte ich mir, dass das nicht viel bringen würde, da ich ja genauso gut am Laptop dann mein Unwesen auf Facebook, Instagram und Co. treiben kann, aber das halte ich für unwahrscheinlich, da ich hier privat eh so gut wie gar nicht unterwegs bin und ich auch das Aktuellhalten meiner Accounts nicht so wichtig nehme, da ich mich lieber an die Manuskripte meiner neuen Projekte setze oder Buchcover oder Illustrationen erstelle.

 

Mein Traum ist es eigentlich, noch außerhalb dieses ganzen Selbstdarstellungswahnsinns, eine kleine Existenz aufzubauen, von der man auch leben kann. Es ist nicht leicht, soviel steht fest, allerdings ist das kein Grund für mich von meinen Zielen und Träumen abzulassen und mich anzupassen. Ich bin und bleibe wer ich bin.

 

Ich möchte versuchen, diese ganzen Plattformen aus meinem Gedächtnis zu streichen und wie früher, erst einmal zu arbeiten und mich danach Schritt für Schritt an die Vermarktung machen. Wenn einem jeden Tag vorgespielt wird, dass man sich einfach auszuziehen hat, egal ob seelisch oder körperlich, dann ist das für mich nicht gerade ein attraktives Modell der Lesergewinnung, also versuche ich es oldschool.

 

So wäre also auch dieser Zweifel ausgeräumt.

 

„Und was ist, wenn du dann eine wichtige Gelegenheit oder sonst irgendetwas verpasst, das für Dich von Bedeutung ist?“, fragte mich kürzlich jemand.

 

Wie in meinem Buch schon erwähnt, wird es wohl nichts geben, dass „wichtiger“ als das ICH im HIERUNDJETZT sein kann. :)

 

Dabei bleibe ich auch.

 

Ich möchte mich wieder mehr auf mich konzentrieren. Vielleicht gewinne ich so auch wieder ein Stück der Zeit zurück, die mir immer mehr abhanden zu kommen scheint.

 

Früher war es auch selbstverständlich ohne ein Handy aus dem Haus zu gehen und man hat sich auch tatsächlich mit seinen Mitmenschen unterhalten. Durch die Gewöhnung an  dieses Gerät ist leider bei vielen Menschen eine Sucht entstanden, die jedoch gleichermaßen akzeptiert wird – genau wie die Sucht von Koffein oder Zucker.

Es ist gesellschaftlich anerkannt und man gilt nicht als krank. (Immerhin ist die Videospielsucht jetzt als Krankheit festgelegt worden – die sogenannte Gaming Disorder.)

 

Mehr wird man als krank abgestempelt, wenn man Schwierigkeiten hat, sich an den immer größer werdenden Druck des Geldverdienens anzupassen.

 

Das scheint nicht normal zu sein, aber ständig mit Kopfhörern im Ohr oder mit Handy in der Hand rumzulaufen, ist ganz natürlich und auch mit keinerlei Zwangsstörung verbunden. Für solche Fälle werden ja bereits Ampelzeichen auf dem Boden plaziert.

 

Wie dem auch sei, ich verstehe nicht, wie sich diese Smartphone-Sucht so etablieren konnte. Das ist auch nicht ganz richtig. Ich verstehe eigentlich sehr gut, wie sie sich etablieren konnte, denn wir wurden von den Großkonzernen darauf geil gemacht, uns diese alles hörenden und sehende Superhirne anzuschaffen und uns wurde auch gezeigt, wie wir damit arbeiten und Geld verdienen können – alles durchgewunken durch die Politik. Bravo! Es ist ja heute sogar Pflicht, bei jeder Bestellung oder Registrierung eine Telefonnummer anzugeben. Was ist, wenn ich keine habe?

 

Wie haben das nur unsere Vorfahren gemacht?

 

Ich finde diese Entwicklung mehr als traurig, da mehr in uns steckt, als ein perfektes Abbild unserer Selbst zu kreieren, um im Internet auf Anerkennungsfang zu gehen. Ich meine nicht, dass man sich stets gegen die Weiterentwicklung der Möglichkeiten versperren sollte, doch vielleicht ist es für den einzelnen Menschen nicht möglich, alle Fortschritte gleichermaßen anzuwenden. Das Angebot wird immer größer und somit wächst auch die Angst, etwas zu verpassen.

Wir haben zwar sehr viel hinzugewonnen die letzten Jahrzehnte, jedoch auch viel verloren, wie beispielsweise Briefe oder Postkarten zu schreiben oder zu erhalten (mit Spannung den Briefträger zu erwarten), der empathische Umgang miteinander – egal ob in der Familie oder beim Warten auf den nächsten Bus, sowie die Wärme, den Geruch und die Mimik der liebsten Menschen, die real für einen da sein könnten, wenn wir nicht Wichtigeres zu erledigen hätten, wie unsere Accounts zu pflegen oder bei der Laufchallange in der Firma noch den Rekord zu knacken.

 

 

In Wahrheit ist der Fortschritt mehr ein Stillstand.

 

 

Er ist nur getarnt als Fortschritt, den natürlich die Meisten interessant finden, weil alles NEU ist. Einfach sich selbst finden und ein paar Annehmlichkeiten für sich nutzen, das fände ich ein gesundes Maß. Wichtig dabei ist, sich nicht unter Druck zu setzen, immer up to date sein zu müssen und im schlimmsten Falle nicht mehr davon loszukommen – ja sogar abhängig zu sein. Laut einer Studie des IT-Verbands Bitkom von 2017 besitzen gut 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen ab zehn Jahren ein Smartphone und nutzen es jede freie Minute. Bereits ein Viertel der 8 bis 14-Jährigen gab bei einer Untersuchung der Uni Mannheim 2015 an, unter "Kommunikationsstress" zu leiden. Das ist doch wirklich nicht mehr normal.

 


Wie Du siehst, steht hinter meinem Fastenplan nicht nur eine Idee, sondern ich habe mir dabei auch etwas vorgenommen. Ich möchte dauerhaft offiziell nicht mehr an dieser Inszinierung teilnehmen. Ich nutze die Fastenzeit also zur Entwöhnung des Ich-bin-immer-erreichbar-und-möchte-jederzeit-wissen-was-auf-der-Welt-so-passiert-sonst-hab-ich-was-verpasst-Wahns. Ich möchte nachhaltig etwas ändern und zwar nur für mich. Es ist sowieso viel gesünder, ohne Handystrahlung durchs Leben zu gehen und auf seinen eigenen Akku zu achten, anstatt auf den seines Mobiltelefons.

Ich will wieder Zeit für andere Dinge haben, die dadurch verloren geht. Ich möchte wieder meine Kreativität von früher zurück und nicht mehr nur bei anderen spionieren, was sie sich Neues haben einfallen lassen und es gegebenenfalls nachmachen. Auch wenn mit dieser Denkweise vermutlich keine Millionen verdient werden können, who cares? Hauptsache ich bleibe mir selbst treu und gehe zurück zu meinen Wurzeln. Ich möchte nicht meine Seele an den Teufel verkaufen und das ist mir ganz wichtig, denn ich schreibe schließlich nur für mich. (Ein bisschen auch für Dich)

 

Nur weil man dauerhaft online ist, bedeutet das nicht, dass man dem Teufel näher tritt.

 

In gewisser Weise stimmt das, aber in vielerlei Hinsicht habe ich Einwände. Ich möchte niemanden zu nahe treten, aber merkst Du denn noch etwas? Findest Du es normal, dass Du von den meisten Bloggern die ganze Wohnung, ihre Essgewohnheiten, ihre Vorlieben, ihren Schlaf- und Arbeitsrhythmus, ihre Kinder (die jegliche Persönlichkeitsrechte verlieren, sobald jemand anderes entscheidet, dass ihre Baby-/Kinderbilder im Internet erscheinen), ihre Partner, ihre Kleidung, ihre Arbeitswege, ihre Routinen und ihre täglichen Launen kennst? Ich nicht.

 

Wie viel gibst Du von dir Preis?

 

Hast Du Dir nie darüber Gedanken gemacht, dass es schädlich in der Zukunft sein könnte, wenn Menschen auf diese Weise vollständig durchschaubar, ja wirklich gläsern sind? Man kann naiv bleiben und sagen, dass das niemand für seine Zwecke ausnutzen würde, man kann jedoch auch akzeptieren, dass es nicht nur gute Menschen mit guten Absichten auf dieser Welt gibt. Die Entscheidung liegt bei Dir. Frage Dich, für wen du oder andere das alles von sich öffentlich zur Schau stellen. Für Anerkennung? Oder etwa für Geld? Liegt hier nicht der Teufel drunter begraben?

 

Ich finde es ganz rührend, dass das Argument oft angeführt wird, dass man ja so quasi ganz neue Möglichkeiten hat, um auf der ganzen Welt vernetzt zu sein und mehr und mehr zu erfahren. Was bringt Dir das denn, wenn Dich in deiner Nachbarschaft niemand kennt und du brauchst mal Hilfe, aber Deine Follower, die womöglich etliche Kilometer von Dir entfernt sind, Dir nicht helfen können? Greifst Du dann als erstes zum Smartphone und postest eine Story auf Instagram, wie Du hilflos am Boden liegst oder rufst Du vielleicht doch den Notruf, wo Menschen ihre eigene Lebenszeit dafür investieren, im entscheidenen Moment zur Stelle zu sein? Ganz klar, ist Dir vielleicht gerade nicht, was ich damit bezwecken will. Ich möchte Dich wachrütteln.

Kümmere Dich um die Gemeinschaft, in der Du lebst, mehr als um irgendwelche Menschen, die weit entfernt sind und im Vorbeiwischen ein Herzchen unter Deinem eben geposteten Bild hinterlassen. Das mit der Globalisierung ist ein schöner Gedanke, aber in den wirklich brisanten Momenten nicht sehr hilfreich.

Ich habe lieber eine Schulter, an der ich mich ausweinen kann oder strahlende Augen, in die ich lachend blicken kann, als perfekt für einen Moment in Szene gesetzte Persönlichkeiten verziert mit Halbwahrheiten, bei denen ich nie erfahren werde, woran ich wirklich bin und die sich für meine wahren Gefühle gar nicht interessieren.

Die Worte mögen für den ein oder anderen Leser hart klingen und dennoch entspringen sie aus meinen Gedanken. Ich finde, man sollte auch Mut haben, Unangenehmes anzusprechen und nicht nur die Wahrheit sich so hinzudrehen, wie man sie gerade braucht.

 

Beim Fasten geht es für mich – wie eingangs erwähnt – mehr als um religiöse Beweggründe.


Wie verlogen ist es, wenn ich selbst behaupte, ich wäre so streng religiös, aber kann den Obdachlosen am Bahnhof leider keinen Euro geben, weil mir auch keiner hilft und die Politiker und alle anderen böse sind und genug reiche Menschen da sind, die dies tun könnten. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir – rund 60% der
Deutschen – freiwillig fasten.

Ob wir dabei nun auf Essen oder anderes verzichten, finde ich unbedeutend. Wir haben die Möglichkeit und vergessen dabei, dass andere sie nicht haben und täglich verhungern oder erfrieren. Wenn die Fastenzeit traditionell auch für Buße und die Reinigung steht, warum dann nicht auch gleich Gutes tun?

 

Warte nicht, bis andere für Dich handeln.

 

Lenk Dich nicht nur ab, sondern werde aktiv. Mach die Augen auf. Vielleicht findest Du ja dann, pünktlich am Valentinstag (zu Beginn der Fastenzeit) jemanden, dem Du Gutes tun kannst. ;)

 

Bis bald und nicht vergessen – Ein bisschen Philosofie schadet nie ;)

 

 

 

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