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#momentaufnahmen

by Marie Schwarz

 

 

 

"Bitte lächeln!" ertönte aus dem Mund meiner Mutter. Ich wusste damals überhaupt nicht, warum ich das tun sollte, doch irgendwie motivierten mich die freundlichen Gesichtszüge meiner Mutter, einfach mitzumachen. "Knips"

Mein Bruder wedelte mit dem eckigen Ding, was aus dem anderen, komischen, lauten Ding rauskam, welches mich fast erblinden ließ. Wenige Minuten später hielt ich mein erstes Polaroid in der Hand.

Damals war das die Sensation!

Schon nach kürzester Zeit hatte man den eben erlebten, besonderen Augenblick in nur einem kleinen Bild eingefangen. Wahnsinn!

Für mich war das damals sehr faszinierend. Als ich mit ca. 9 Jahren meine erste analoge Kamera geschenkt bekommen hatte, kam ich richtig ins Fotofieber. Meine beste Freundin und ich knipsten was das Zeug hielt. Wir fühlten uns wie kleine Models. Sogar mein erster Tanzauftritt, bei dem ich als MelB mit anderen Mädels einen Song von den Spice Girls performte sowie meine erste Theater-Aufführung in der Schule wurde damals dokumentiert. Ist das nicht cool? Während ich durch die alten Fotoalben blättere, komme ich mir richtig alt vor, da sich irgendwie die letzten Jahrzehnte alles mega entwickelt hat und ich das zu dem damaligen Zeitpunkt niemals geglaubt hätte.

 

Damals war "Zurück in die Zukunft" einfach nur abgespact!
Und wie ist es heute?
Ich wische mich durch meine 4500 Bilder auf meinem Handy, welche ich innerhalb des letzten halben Jahres geschossen habe. Ist das zu fassen?

 

Meine heutigen, philosophischen Fragen drehen sich unter anderem darum, ob in unserer Gesellschaft eine Art Fotosucht entstanden ist.

Wenn ja, was genau macht uns denn so süchtig an Bildern?

 

Schaust Du Dir denn regelmäßig Deine ganzen Fotos an? Weißt Du noch, was Du letztes Jahr um diese Zeit gemacht hast?

Respekt, falls ja. Bei mir ist das etwas anders. Ich benutze mein Handy wie einen Notizblock. Ich fange immer noch bewusst Stimmungen ein, doch auch lieblose Momente, die einfach nur zu einem späteren Zeitpunkt wieder gecheckt werden müssen, da sie meiner Arbeit dienen.

Das läuft mittlerweile alles automatisch ab und irgendwie verliere ich jedes Mal den Überblick, selbst wenn ich mir beim Übertragen der Bilder fest vornehme, in Zukunft nicht mehr so viel Digitalmüll anzusammeln.

 

Für was machen wir so viele Bilder? Haben wir Angst, uns in Zukunft nicht mehr an die Momente erinnern zu können? Ist unser Gehirn sogar müde geworden, sich selbst zu erinnern und es ist dadurch ein erlernter Mechanismus entstanden, um sich Dinge besser einzuprägen?

 

Ich mache Bilder tatsächlich, um die jeweilige Stimmung bestmöglich einzufangen und nicht um darauf möglichst zu glänzen. Es gibt immer mal Fotos, auf denen man sich etwas mehr in Szene setzt, doch eigentlich geht es doch nicht darum, wo man überall war, sondern was man dabei empfunden hat, oder? Für was er-leben wir diese Momente sonst? Bloß, um sie abzulichten und einzufangen? Wird das selbe Hirnareal wie beispielsweise bei einer Schnäppchenjagd aktiviert, wenn wir das perfekte Bild geschossen haben?

 

Auch bei Konzerten beispielsweise fällt mir auf, dass viele lieber das perfekte Selfie machen oder das ganze Konzert durch ihr Smartphone ansehen. Das ist so super schade, finde ich, da gerade die erlebte Stimmung bei Live-Auftritten unersetzbar ist.

 

Wie kommt man wieder raus aus diesem Jagdmodus?

Ich glaube, wenn Du ein Problem damit haben solltest und wirklich zwanghaft Fotos machen musst, hilft es nur, das Handy zuhause zu lassen. Der Griff in die Tasche ist nämlich schon so automatisiert, dass man es gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. Es gibt sogar einen Begriff für diese Sucht: Selfitis heißt sie. Einige Psychologen klassifizieren sie sogar als psychische Störung (nicht offiziell), die durchaus ernst genommen werden sollte. Setzt übrigens schon ab drei Bildern am Tag ein.

 

Ich kannte solche Verhaltensweisen bei mir bei Instagram. Hatte nichts mit Bildern zu tun, sondern, dass ich so gut wie dauernd aktualisiert habe, um zu sehen, wie viele meine Beiträge gelikt haben. Das kennt doch jeder irgendwie, der sich dort herumtreibt. :D
Das einzige, was mir in so einem Fall geholfen hatte, war, dass ich mir einen Wecker gestellt habe, wann ich das nächste Mal auf Instagram zugreifen darf. (Es gibt auch entsprechende Apps oder Einstellungen bei Instagram selbst, um sein Social Media Verhalten zu kontrollieren.) Das klappte zu Beginn nicht so gut, doch ich lernte immer mehr, dass ich das alles gar nicht brauche, je mehr ich mich dabei ertappte wieder zum Handy zu greifen. Meine Erfahrungen durch mein Smartphone-Fasten haben mich auf diesem Gebiet auch noch einmal sehr weit gebracht.

 

Egal, womit Du Dich ablenkst, es lenkt Dich ab. Das hält Dich wiederum von anderen Tätigkeiten ab, die Dich persönlich im Leben wirklich nach vorne bringen können. Die ganzen Menschen in Sozialen Netzwerken, von denen die meisten Deine Bilder nur ganz kurz sehen und auch schon wieder vergessen, haben gar kein Interesse an Dir, sondern machen das selbe wie Du. Rumklicken, liken, hoffen und weiter auf Anerkennung warten.

 

Warte bitte nicht darauf, bis Dich jemand anderes wahrnimmt, sondern fange besser an, Dich selbst und Deine Umwelt wieder außerhalb Deines Smartphones wahrzunehmen. Betrachte die Dinge einmal viel achtsamer und strebe nicht nach der Perfektion. Bei jedem 2. Bild frage ich mich, ob ich es wirklich brauche oder einfach nur den Moment genießen soll, weil er sich eh nicht so perfekt wiedergeben lässt, wie ich ihn selbst wahrnehme –  mit all den Gerüchen, Geräuschen und meinen eigenen Gefühlen, die ich dabei empfinde. Das kann keine Kamera aufnehmen.

 

Erinnerungen sind trotzdem schön und auch wichtig. Wie bei fast allen Dingen, rate ich Dir auch hier, das gesunde Mittelmaß zu finden.

Mach Dir einfach keinen Stress – weder in die eine noch die andere Richtung, dann wirst Du langfristig viel Freude haben.

 

Noch ein Tipp: Sieh Dir doch immer am Wochenende die Bilder an, die Du unter der Woche gemacht hast und sortiere schon einmal aus. Das ganze machst Du in einem vollen Monat wieder und auch nochmal, wenn Du die Bilder auf einen anderen Datenträger kopierst und dann noch einmal wenn Du sie schließlich ordnest. Wir müssen auch schauen, dass wir uns digital nicht so sehr verschätzen. Die Daten brauchen auch alle Speicherplatz und das verbraucht wiederum Energie. Doch das ist ein anderes Thema.

 

Für heute reicht es erstmal.
Ich wünsche Dir einen wunderbaren Tag und nicht vergessen:

 

 

 Ein bisschen Philosofie schadet nie! ;)

#selfitis #fotojagd #momentmal #schaltab

 


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