Serien gegen Depressionen


by Marie Schwarz

Lesezeit: 8 Min.

Einschalten zum Abschalten Fernsehen Serien gegen Depressionen

 

 

 

 

 

 

"Glücklich sein kann anstrengend sein."

 

 

Kennst du die Tage, an denen du dich am liebsten in deinem Schneckenhaus verkriechen möchtest und niemanden hören oder sehen willst?

Es gibt so Tage, an denen ist man einfach depressiv und launisch und braucht Ruhe.


Ich hatte diese Tage sehr häufig in meinem Leben. Ich hatte die Schnauze wirklich von jedem voll, und wollte einfach nur meine Ruhe haben. Es gibt so Phasen im Leben, da erscheint es einem so, als wäre jeder gegen einen und als würde gar nichts funktionieren, wie es soll. Klar, dass man dann auch mal Abstand von seiner Umwelt gewinnen möchte. In solchen Zeiten sucht man durch das geringere Energielevel – welches wirklich existiert – Schutz, und zieht sich wohl instinktiv zurück, um nicht angreifbar zu sein.

Ich zumindest habe mich in so einer Stimmung meistens in mein Bett verzogen und Serien angeschaut, oder geschrieben, oder auch beides gleichzeitig. Hauptsache Ablenkung. Ich war richtig süchtig danach, weil ich mich währenddessen besser konzentrieren konnte. Klingt paradox, doch dadurch, dass ich mich auf ein anderes Leben, eine andere Abhandlung konzentrieren konnte, gelang es mir, dass ich auch mal gedanklich abschweifen konnte. Es ergab sich dann mit der Zeit, dass ich das Gesehene auf meine eigene Situation beziehen und diese dann erneut hinterfragen konnte. Man kann sich so viel Nützliches aus Filmen oder Serien ziehen, wenn man bereit dazu ist. Man darf nicht vergessen, dass das Drehbuch dafür auch ein Mensch geschrieben hat, und nicht alles nur Fiktion ist, bzw. das meiste einen tieferen Sinn, eine Intention in sich birgt. Natürlich ist es nicht die reale Welt, die dort gezeigt wird. Man wird doch wohl noch träumen dürfen, oder?

 

Serien können einen therapieren.

Es gab bei mir wirklich viele depressive Episoden, in denen mein Tagesablauf meist ausschließlich aus Serien, weinen, etwas aufschreiben, essen, nachdenken und manchmal zwischendrin einschlafen bestand. Ich nenne das #balsamfürdieseele.

Mit dem Wissen, welches ich besonders während meines Studiums im Bereich Medienerziehung erlangen konnte, weiß ich heute, wie hilfreich es für manche Menschen sein kann, auf diese Weise zu versuchen, eine Art Selbsttherapie durchzuführen. Medien können sehr negativ beeinflussen, doch sie können – so ist es bei vielem im Leben – auch einen sehr positiven Effekt erzielen. In den Filmen oder Serien kann man sich besonders als junger Mensch von Geschichten inspirieren lassen, zu denen man im normalen Leben gar keinen Zugang hat. Das lenkt einerseits von den eigenen Problemen ab, und läd auf der anderen Seite dazu ein, über sich selbst und die eigenen Beziehungen, den eigenen Stand in der Gesellschaft nachzudenken. In meinen Augen ist es immer wichtig, sich eine eigene Meinung zu bilden, besonders um Themen, die meist gesellschaftlich aus Scham totgeschwiegen werden, wie Gewalt, Sex, Geld, Beziehungen, Eltern oder Schule. Selbst, wenn man dadurch kein Einstein wird, kann man sich zumindest emotional weiterbilden. In meinen Augen ein Punkt, der besonders in Schulen viel zu kurz kommt.

 

Ich tauchte damals richtig ab und verschmolz mit der Story und den Charakteren. Nicht auf die ungesunde, kranke Art und Weise, sondern einfach ungezwungen und komplett achtsam, um nicht einfach nur sinnlos Zeit zu verplempern. (VORSICHT bitte: Es gibt auch eine Alltagsflucht und die sogenannte Mediensucht! Wer gefährdet dafür ist, sollte dringend andere Methoden anwenden. Binge Watching ist keinenfalls gesund oder anzuraten, sondern raubt dir deinen wichtigen Schlaf, welchen du brauchst, um überhaupt fit zu sein. Identifiziere dich bitte auch nicht zu sehr mit einzelnen Personen in Serien. Das sind Schauspieler und keine Freunde oder ein Familienersatz.) Man kann jedoch durch genaue, achtsame Beobachtung lernen, wie man sich richtig verhält, bzw. erkennen, wie man es selbst für richtig hält und dieses Verhalten annehmen. Man KANN! Wichtig ist dabei die Reflexion. Diese findet nur statt, wenn man das Anschauen von Serien bewusst als Tool einsetzt, und sich beispielsweise einen Actionheld als Modell nimmt.

"Lernen am Modell" ist in uns allen von klein auf verankert. Entweder sind es die Eltern, die Geschwister, Erzieher, Lehrer, Mentoren, Stars oder auch ein Hund. Wir alle lernen durch Beobachtung und somit sind wir auch alle fähig dazu, auf diese Weise zu lernen. Man muss es nur wollen. Zwing dich nicht dazu, wenn das ganz und gar nicht deine Methode sein sollte. Ist ja nicht schlimm. Es gibt noch viele andere Dinge, die man tun kann, wenn man depressiv oder einfach nur schlecht drauf ist. Das sollte einem auch niemand vorschreiben.

Man muss übrigens auch nicht jeder Verstimmung gleich so viel Aufmerksamkeit schenken, oder sich eine Depression einreden lassen. Alles kann, nichts muss. Lerne einfach, auf dich und deinen eigenen Körper zu achten. Wir alle erleben das Leben auf unsere ganz eigene Art und Weise. Es werden immer Lebensphasen kommen, in denen das Energielevel geringer als in anderen ist.

 

Ich habe diese Methode auf jeden Fall fest in mein Leben integriert und mache es noch heute so. Nicht mehr so häufig wie früher, weil ich zum Einen kaum mehr solche Phasen erlebe, und zum anderen, weil mir einfach die Zeit fehlt. Doch ich finde es einfach ein sehr smartes Mittel, um sowohl auf andere Gedanken gebracht zu werden, also auch, um sich noch einen Mehrwert zu verschaffen. Kommt natürlich auf die jeweilige Serie oder den Film an, versteht sich. :D Ich war danach immer glücklicher und ausgeglichener. Meine eigenen Probleme kamen mir auch oftmals danach gar nicht mehr so schlimm vor und ich war wieder voller, neuer Ideen.

 

Hab kein schlechtes Gewissen

Wichtig ist noch, dass du dich nicht selbst dafür bestrafst, dass du dich FÜR DICH entschieden hast. Ich z.B. hatte damals schon verstanden, dass ich das schlechte Gewissen in solchen Zeiten loswerden muss, um wenigstens die Sache, für die ich mich bewusst zuvor entschieden habe – nämlich stundenlang Serien zu glotzen – voll genießen und nutzen zu können, und nicht mehr an das zu denken, was ich eigentlich tun sollte und wofür ich mich nicht bereit fühlte. Who cares!? Klingt zwar sehr hart, doch wenn du stirbst, was macht die Welt dann ohne dich? Dreht sie sich weiter?

Ich habe mir darüber so häufig Gedanken gemacht. Durch meine chronischen Krankheiten war ich nämlich bereits im Kindergarten nicht immer fit. Das führte immer wieder zu Erklärungsbedarf in Schulen, an der Uni und in unzähligen Jobs. Da ich meist nicht so beschissen aussah wie ich mich fühlte, glaubte mir das natürlich meist niemand. Ich bekam als Folge mehrerer Fehlzeiten Attestpflicht auferlegt und gratis dazu noch ein schlechtes Gewissen statt Genesungswünsche verpasst.

In Deutschland darf man nicht schwach sein, da hier gearbeitet wird. Dass ich trotz meiner vielen Fehlzeiten, meine Schule schaffte und auch immer brav meine Arbeiten erledigte oder nachholte, interessiert bis heute keinen. Dass ich sogar zu Unizeiten ein Stipendium zur Elitenförderung erhielt, ist auch völlig egal. Denn Menschen, die nicht funktionieren wie der Rest der Arbeiterameisenkolonie, werden als faul betitelt. Hör niemals auf all diese Menschen, besonders, wenn du dich wirklich dreckig fühlst. Diese Leute trauen sich meist selbst nie, ihrem Körper die notwendige Pause zuzugestehen, da sie Angst vor ihrem Vorgesetzten oder anderen Autoritätspersonen haben. Viele sind aber auch so richtig unglücklich in ihrem Job, und lassen sich dennoch nie was anmerken, um gesellschaftlich mitzuhalten, und reden dir deshalb ein, dass du das nicht tun darfst. Ist das stark oder einfach nur dämlich, da man sich auf diese Weise selbst schadet, jedoch andere zufrieden stellt? Ich würde meine Mitarbeiter definitiv nicht bis zum Burn-Out treiben, sondern ihnen stets ein offenes Ohr anbieten, um alles mögliche zu besprechen. Man soll doch vor dem Chef keine Angst haben, oder? Da kann dann irgendwas anderes nicht stimmen.

 

Wenn du auf jeden Fall zu Hause bleibst, weil du dich unwohl fühlst (aus welchem Grund auch immer), dann relaxe und komm zur Ruhe. Andernfalls kannst du dich gleich um andere Dinge kümmern und es bleiben lassen. Einen erholsamen Effekt wirst du so nicht erhalten, und die Ursache für dein Leiden findest du meist auch nie heraus. Das frustriert hinterher gleich doppelt und dreifach, und löst auch dein akutes Problem nicht. Wie sollst du auf diese Weise gesund werden?

 

Also mein Tipp: Wenn du dich dafür entscheidest, einen oder mehrere Tage off zu sein, um dich um dich selbst zu kümmern, dann hab kein schlechtes Gewissen, wenn du die alltäglichen Pflichten nicht erfüllst. Punkt.

 

Du musst dich für solche Phasen nicht schämen, sondern betrachte sie einfach als natürlich und akzeptiere es, wie es ist. Jeder kennt diese Momente im Leben, in denen man alles hinterfragt. Wenn dir jemand versucht, das Gegenteil glaubhaft zu machen, dann hat er entweder keine Erfahrungen gemacht oder lügt. Ich kenne keinen erfolgreichen Menschen, der nicht auch Zeiten durchlebt hat, in denen sie oder er mit sich gehadert hat und die Welt ungerecht fand. Das gehört wohl zum Reifeprozess dazu.

 

Also, bleib authentisch und akzeptiere dich so wie du bist. Verdränge nicht deine Gefühle, sondern lerne mit ihnen umzugehen und finde Wege, um deinen Kopf frei zu bekommen. Ob das Serien, Bücher, Malen, Sport oder sonstige Aktivitäten sind. Für jeden gibt es ein passendes Ventil, um auch in depressiven Episoden mit sich klarzukommen. Um nicht drauf hängenzubleiben und auch wieder den Einstieg in den Alltag zu meistern, habe ich nach maximal einer Staffel gesagt, dass ich wieder angreifen und mein eigenes Leben führen muss. Als Motivation bzw. zur Belohnung kann man sich trotzdem jeden Tag ein oder zwei Folgen nach getaner Arbeit ansehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Bei mir war es jedoch so, dass ich mir den Rest für die nächste, depressive Phase aufgehoben habe. :) Wie du es am Ende machst, ist deine Sache, Hauptsache fühlst dich gut dabei und übertreibst es nicht.

 

Dein Lifecoach

 

Marie

 

 

Hinweis: Das Ansehen von Serien oder allgemein die Benutzung von Bildschirmen heilt keine Depression. Es wird von mir lediglich als Methode aufgeführt, um die im Artikel aufgeführten Vorteile zu erfahren und um eventuell zu seelischer Gesundheit zu gelangen. Ob solch eine Therapie sinnvoll ist, kommt auf das jeweilige Leid der Person, das Alter, die psychische Verfassung und das ausgewählte Videomaterial an. Garantie für eine Wirksamkeit wird nicht garantiert, sondern nur Erfahrungsberichte aus der eignen Praxis widergegeben. Ich distanziere mich von der Erteilung medizinischer Ratschläge oder allgemeiner Therapiemethoden. Blaues Licht ist übrigens ebenfalls nicht gesund. Vielleicht legst du dir eine Brille mit entsprechendem Filter zu, solltest du viel vor Bildschirmen sitzen.

 

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